Kündigung wegen Stalking

Am 03. Juli 2012, von Christian Klette

Das Bundesarbeitsgericht hatte darüber zu entscheiden, ob einem „Stalker“ unter Umständen auch ohne vorherige einschlägige Abmahnung gekündigt werden darf.

Eine Mitarbeiterin beklagte sich bei ihrem Arbeitgeber, sie werde von einem anderen Arbeitnehmer in unerträglicher Art und Weise belästigt und bedrängt. Sie erhalte gegen ihren ausdrücklich erklärten Willen zahlreiche E-Mails, werde ohne dienstlichen Anlass in ihrem Büro angerufen und dort aufgesucht und der Kollege mische sich wiederholt und zunehmend aufdringlich in ihr Privatleben. Ihr sei sogar damit gedroht worden, der Kollege würde dafür sorgen, dass sie beim Arbeitgeber keine feste Anstellung erhalte, wenn sie nicht weiter privaten Kontakt mit ihm pflege.

Das Bundesarbeitsgericht kam zu dem Ergebnis, dass ein Arbeitnehmer dann, wenn er die Privatsphäre und den deutlichen Wunsch einer Kollegin, nicht-dienstliche Kontaktaufnahmen zu unterlassen, nicht respektiert, schwerwiegend gegen arbeitsvertragliche Nebenpflichten verstößt. Dies kann unter Umständen die außerordentliche Kündigung des Arbeitsverhältnisses rechtfertigen, unter Umständen sogar ohne vorherige Abmahnung, wobei letzteres – wie so oft im Arbeitsrecht – von den Umständen des Einzelfalls abhängt.

 (BAG, 2 AZR 258/11)

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